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Das Multikeyboard ist ein analoges elektronisches Tasteninstrument, das Elemente mehrerer anderer elektronischer Instrumente und damit die Funktion diverser Tasteninstrumente in sich vereint. Es kam auf in der zweiten Hälfte der 70er Jahre und verschwand ab Anfang der 80er wieder vom Markt.

Auch wenn Multikeyboards Elemente von Synthesizern enthalten können, werden sie nur selten den Synthesizern zugerechnet.

KlangerzeugungBearbeiten

Multikeyboards besitzen, wie der Name schon sagt, mehrere voneinander separate Klangerzeugungssektionen, wie sie in jener Zeit auch in elektronischen Orgeln zu finden waren. Nicht alle Multikeyboards hatte alle Sektionen.

Die klangliche Qualität dieser Sektionen war nicht auf dem Niveau entsprechender spezialisierter Instrumente, zumal all dies zusammen nicht zu teuer werden durfte und auch der Platz für Bedienelemente beschränkt war. Außerdem wurde bei Multikeyboards auf die Möglichkeit verzichtet, selbsterstellte Sounds speichern zu können, es gibt also nur Presets – relativ wenige sogar, weil jedes einen eigenen Schalter hat – und/oder händische Klangregelung. Dennoch verkauften sich Multikeyboards gut, denn erstmals waren einige dieser Klangerzeugungen in einem einzigen tragbaren Tasteninstrument vereint.

OrgelBearbeiten

Die Orgelsektion soll eine separate Orgel ersetzen, hat aber nie den Funktionsumfang, geschweige denn den Klang einer ausgewachsenen Tonradorgel. Sie entspricht eher der entsprechenden Sektion einer elektronischen Orgel. Die einzelnen Orgelregister werden entweder per Schalter aktiviert oder per ungerasterter Fader eingeblendet, wobei Fader im Gegensatz zu den Gepflogenheiten bei Synthesizern umgekehrt arbeiten, also die Lautstärke zum Spieler hin erhöhen, um von der Bedienung her angepaßt zu sein an von Orgeln Gewohntes.

Die vollen neun Fußlagen einer Hammond B-3 wird man hier selten vorfinden, dafür aber eine Gepflogenheit elektronischer Orgeln, nämlich separate Percussion-Register. Presets gibt es hier nicht.

Zur Orgelsektion gehört für gewöhnlich auch eine Leslie-Imitation.

StringsBearbeiten

Die Strings-Sektion verwendet entweder eine Klangerzeugung und -formung wie eine Stringmachine, die auf streicherartige Sounds spezialisiert ist, oder sie schaltet einem subtraktiven Klangformungsstrang einen Ensemble-Effekt nach.

Presetschalter aktivieren hier String-Register in unterschiedlichen Oktavlagen, die auch unterschiedlich klingen können.

Andere nichtperkussive polyphone KlängeBearbeiten

Die Hauptaufgabe dieser Sektion ist, Bläserklänge zu erzeugen, weshalb sie häufig einfach „Brass“ genannt wird. Sie ist aber auch zuständig für z. B. Akkordeonklänge.

Sie arbeitet subtraktiv und hat fürs Filter meist eine separate Hüllkurve, dafür aber eine eher einfache AR-Verstärkerhüllkurve. Im Grunde ist sie ein einfacher polyphoner Analogsynthesizer und bietet häufig auch Zugriff auf einige Parameter der Klangerzeugung.

Perkussive polyphone KlängeBearbeiten

Ähnlich wie die nichtperkussive „Brass“-Sektion wird diese, ebenfalls subtraktive Sektion ihrem häufigsten Verwendungszweck entsprechend mitunter „Piano“ genannt. An anderen Klängen findet man hier Cembalo (Harpsichord, Clavichord) oder Gitarrenähnliches.

Der hier verwendeten Verstärkerhüllkurve fehlt die Attackphase, und Sustain ist auf null festgelegt. Die Releaserate ist annähernd oder tatsächlich null, außer ein am Multikeyboard angeschlossenes Haltepedal wird gedrückt, dann entspricht sie der Decayrate.

Bei einigen Multikeyboards sind die beiden polyphonen Preset-Sektionen zu einer zusammengelegt, die entsprechend auch in der händischen Bearbeitung flexibler ist.

Monophone KlängeBearbeiten

Diese Sektion ist ein vollwertiger monophoner Synthesizer und bietet immer vollen Zugriff auf die Klangerzeugung. Tatsächlich gibt es hier nicht immer Presets, so daß das Hauptaugenmerk auf der Klanggestaltung liegt. Gegenüber den polyphonen Sektionen kann hier die Klangsynthese noch etwas ausgefeilter sein, ohne aber dabei den Funktionsumfang oder die Klangqualität dedizierter Oberklasse-Monosynths zu erreichen.

BässeBearbeiten

Einige Multikeyboards besitzen eine eigene monophone Klangerzeugung für Baßklänge. Diese kann allerdings unterschiedlich ausfallen. Beim ARP Omni handelt es sich etwa um eine zweite Stringsektion, während es beim Yamaha SK50D ein zweichöriger Orgelbaß ist, der auch über das zugehörige Baßpedal gespielt werden kann.

EinsatzgebietBearbeiten

In erster Linie war das Multikeyboard gedacht für den Live-Einsatz in Bands, besonders Coverbands. Hier sollte es beim Keyboarder eine ganze Anzahl an Geräten ersetzen (siehe Vorgänger).

Aber so mancher Musiker setzte das Multikeyboard auch im Studio ein. Gerade für Newcomer, die nicht viel experimentieren wollten, war es ideal, denn es bot eine große klangliche Bandbreite und sogar einiges an Fertigklängen bei relativ einfacher Bedienung und für das Gebotene niedrigem Preis.

Als seine große Zeit lange vorbei war, entdeckten manche Künstler es wieder als „cheesy“ Instrument im Stil der späten 70er und frühen 80er, das vor allem nicht nach den üblichen Analogsynthesizern klang.

VorgängerBearbeiten

Die Vorgänger der Multikeyboards sind im Grunde genommen die Keyboardburgen der frühen 70er Jahre. Vorher gab es keine bühnengeeigneten, also transportablen Instrumente, die die Möglichkeiten des Multikeyboards in sich vereinten.

Mit dem Multikeyboard stand ein Instrument zur Verfügung, das eine Tonradorgel (Orgelklänge) oder Comboorgel (Orgelklänge, teilweise Bläserklänge), ein E-Piano (Pianoklänge), ein Mellotron oder eine Stringmachine (Streicherklänge, teilweise Bläserklänge) und einen oder mehrere monophone Synthesizer (monophone Leadsounds) ersetzen konnte. Diesen Funktionsumfang boten sonst nur sehr hochwertige elektronische Heimorgeln, die für den Bühneneinsatz zu groß und zu schwer und für die Zielgruppe zu teuer waren.

NachfolgerBearbeiten

Kurz nach Erscheinen des Multikeyboard kam in den späten 70er Jahren eine erste ausgereifte Generation polyphoner Analogsynthesizer auf den Markt (Yamaha CS80, Sequential Circuits Prophet-5, Oberheim OB-X). Diese hatten aber kaum einen Einfluß auf die Verkäufe der Multikeyboards, weil sie viel teurer waren.

Erst als in den frühen 80er Jahren mit KORG Polysix sowie Roland Juno-6 und Juno-60 bezahlbarere Polysynths verfügbar wurden, verschwand das Multikeyboard allmählich vom Markt, hatte es doch nur noch den Vorteil, übersichtlicher zu sein und je nach Modell auch als Orgel fungieren zu können. Letzteres konnte allerdings auch der Yamaha DX7, der der Anfang vom Ende für analoge elektronische Instrumente im allgemeinen war.

Ähnliche modernere InstrumenteBearbeiten

Jeder Rompler hat eine größere Auswahl an hochwertigeren Fertigklängen als ein Multikeyboard, holt diese aber alle aus derselben Syntheseengine und ist besonders im Orgelbereich nicht immer so flexibel.

Am ehesten vergleichbar mit den Multikeyboards sind heute Instrumente, die unter anderem Orgel- und E-Piano-Emulationen vereinen, z. B. Clavia Nord Electro. Beim Clavia Nord Stage findet sich sogar ein einfacher virtuell-analoger Synthesizer – fast schon eine Reminiszenz an die funktional einfachen Monosynths in manchen Multikeyboards, denn er ist weit entfernt vom Funktionsumfang eines Nord Lead.

Siehe auchBearbeiten

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